Call of Cthulhu – Ein Horrorspiel für den PC

Gefühlt habe ich bereits das ganze Jahr auf den Titel gewartet. Dabei war das Game schon länger angekündigt, aber erst im Juni mit dem Trailer von der E3 stieg bei mir die Erwartung.

Boston, 1924. Wir übernehmen die Steuerung von Edward Pierce, Veteran des Großen Krieges, Trinker, Tablettenabhängig und runtergekommener Privatdetektiv.
Kurz bevor wir unsere Detektei mangels Mandanten aufgeben müssen, bekommen wir den Auftrag den Tod einer Künstlerin und deren Familie zu untersuchen. Laut Ermittlung der Polizei handelt es sich dabei um einen Unfall. Zusätzlich wird im Polizeibericht die geistige Labilität der Verstorbenen erwähnt.
Die Ermittlungen führen Pierce nach Darkwater, einer kleinen, kaum bekannten Insel vor Boston.

Cyanide Studios liefert mit Call of Cthulhu ein ansehnliches Spiel ab, im wörtlichem Sinne. Dieser Ersteindruck legt sich aber, sobald man mit hölzernen NPCs in Kontakt kommt. Leider wirken die Animationen der Nichtspielercharaktere nicht nur steif, die Figuren ähneln sich auch äußerlich zum Teil sehr. Ob diese einheitliche Physiognomie der widerlichen Blutschande im Fischerdorf oder einem schmalen Budget der Softwareschmiede geschuldet ist, werden wir wohl nie erfahren. Ein grünstichiger Lichtblick ist hingegen die Szenerie. Und es ist wirklich ein schön schauriger Ort, dieses Darkwater! Grünes Licht wabert über die Bauten, die Atmosphäre ist gelungen, auch im weiteren Verlauf des Spiels.

Die Story des Spiels ist von den gleichen Autoren geschrieben, die auch Geschichten für das Pen&Paper Call of Cthulhu beisteuerten. Dies ist aber nicht die einzige Verbindung zum Rollenspiel aus dem Hause Chaosium. Man versucht das Regelsystem des analogen Spiels in den digitalen Titel zu übertragen.

Leider hapert es etwas bei der Übersetzung

Das Journal oder Tagebuch, welches unter anderem die Charakterwerte beinhaltet, ist gut gelungen. Es sieht übersichtlich und schick aus. Allerdings werden nicht alle Fähigkeiten und Attribute des Pen&Papers wiedergegeben. Lediglich sieben Werte kann man steigern: Redegewandtheit, Psychologie, Entdeckung (sic!), Ermittlung, Stärke und Medizinkunde sowie Okkultismus. Wobei Fähigkeiten in Medizinkunde und Okkultismus durch das Entdecken einschlägiger Literatur gesteigert werden, die anderen Werte sind durch im Spiel verdiente CP (Charakterpunkte) zu verbessern

Wie man sieht, gibt es keine Werte für Waffen oder waffenlosen Kampf. Das liegt daran, dass das Spiel kein Kampfsystem hat. Wozu es dann einen Wert namens Stärke gibt? Nun ja, es eröffnet die Möglichkeit, in Dialogen eine weitere Option zu haben -und manchmal eine Kurbel zu betätigen. Ich will nicht unfair sein, aber dieses Attribut ist so unnütz wie ein Kropf. Das klingt verbittert, ist es auch. Aber dazu später mehr, bleiben wir noch im Menu.

Im Laufe der Ermittlungen sammeln wir Hinweise in Form von Akten, Büchern, Notizen etc. Diese werden ebenfalls aufgeräumt dargestellt. Gleiches gilt für das Inventar, welches aber eher Zierde ist: Ausrüsten oder aktiv nutzen können wir nur Lichtquellen wie ein Feuerzeug und eine Laterne.
Dabei gibt es grundsätzlich für ein Detektiv/Horrorspiel wenig für uns zu tun. Die Ermittlungen sehen so aus: Wir klicken auf weiße Hinweispunkte in der Nähe, manchmal sind sie auch grün. Schlüsse brauchen wir nicht ziehen, die werden automatisch ins Journal eingepflegt und etwaige Rätsel sind eher leicht.

Die Dialoge sind nicht sonderlich interessant. Zwar erhalten wir durch das Sammeln von Hinweisen ein paar Optionen mehr, aber ein Gefühl, dass die verschiedenen Möglichkeiten zu jeweils anderen Ergebnissen führen, hatte ich nicht. Angemerkt sei, dass es teilweise Auswirkungen hat, es allerdings nach kurzer Zeit wieder auf die Schiene geht.
Schade finde ich insbesondere, dass es sich nicht um eine Open World handelt, nicht mal ansatzweise. Das Spiel ist in Kapitel unterteilt, hat man ein Kapitel abgeschlossen, zum Beispiel nach dem Erkunden eines Ortes, ist es nicht mehr möglich an den vorherigen Ort zu reisen. Andersrum ist dies auch nicht nötig, da man immer auf das Finale zugesteuert wird.

Kommen wir aber zu dem Grund meiner Verbitterung, und der ist sehr subjektiv. Es gibt bestimmte Genres, die ich nicht sonderlich mag. Stealth Games gehören dazu. Try and Error Systematiken hasse ich regelrecht. Wenn also ein Storylastiges Rollenspiel diese Mechaniken beinhaltet, bin ich grundsätzlich skeptisch, aber noch nicht verbittert. Erst wenn diese Mechaniken plump, geradezu… – ich will hier nicht zornig werden, belassen wir es bei plump – sind, steigt bei mir der Blutdruck.
Ich schildere eine Situation:
Pierce befindet sich in einer Heilanstalt und soll einen Mechanismus auslösen, wofür er bestimmte Räume aufsuchen muss. Auf den Gängen ist ein Wärter unterwegs, der ihn nicht entdecken darf. Soweit so gut. Dabei ist die Szenerie schon etwas absurd. Auf den Gängen befindet sich nichts. Das Verstecken beschränkt sich auf ein geducktes, langsames Fortbewegen. Es gibt an bestimmten Punkten Schränke oder Zimmer, in denen man verborgen bleibt. Pierce kann also geduckt hinter dem Wärter herschleichen, ist er aber einige Meter vor ihm, wird er entdeckt. Gut sei es drum. Das man aber keine anderen Möglichkeiten hat, wie zum Beispiel den Wärter abzulenken oder ihn einfach eins auf die Nuss zu geben, ist ätzend. Dabei ist der Weg leicht, wenn man ihn erst einmal kennt. Etwas später kommt es zu einer ähnlichen Situation. Pierce muss einen Gegenstand finden. Auch hier ist es banal, wenn man weiß wo dieser zu finden ist, bis dahin kann es aber einige Versuche brauchen. Dies ist der Atmosphäre nicht zuträglich. Ich hätte gerne den Fähigkeiten meines Charakters entsprechende Auswahlmöglichkeiten.

Das Spiel macht aber auch einiges richtig.
Lovecraft Horror ist nicht offensichtlicher Horror, und so fängt Pierces Herz an, schneller zu schlagen und sein Blickfeld schränkt sich ein, wenn er sich im Schrank versteckt. Er ist Klaustrophobiker. Der Ermittler gerät auch ab und an in Panik, was ebenfalls nett dargestellt wird. Unser Spielcharakter verfällt einem schleichenden Wahnsinn und dies ist wirklich gut umgesetzt.

Zur Atmosphäre trägt auch der nicht aufdringliche Sound bei. Die Dialoge sind ausschließlich auf englisch. Dabei sind diese nicht immer leicht verständlich. Qualitativ und auch vom Nuschelfaktor, wahrscheinlich würde ich mit Kopfhörer mehr verstehen. Die Untertitelung ist dabei eher mäßig, wie auch die deutschen Texte zu den Fähigkeiten (s.o.). Das ist kein wirklich schwerwiegender Kritikpunkt, aber unschön.

Abschließend lässt sich sagen, das Spiel ist atmosphärisch und es geht bei der Erzählung einer Lovecraft Geschichte richtige Wege.
Trotzdem sind die 10 bis 15 Spielstunden eher wenig herausfordernd und einen Anreiz noch einmal das Abenteuer zu starten, dürfte es kaum geben. Immerhin gibt es zumindest zwei unterschiedliche Enden, ob das aber wirklich zum Re-play animiert, ist fraglich, ein Suchtfaktor hat sich bei mir zumindest nicht eingestellt. Das Game ist nicht schlecht, aber auch nicht gut.

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3 Kommentare

  1. Schön zu sehen, dass nicht nur mir die Heilanstalt auf den Keks ging 😉 Deine Zusammenfassung trifft es leider sehr gut, wenngleich ich noch die sehr bescheidene Darstellung und Animation der Figuren erwähnt hätte, die weder lippensynchron (teilweise wird gesprochen, ohne dass sich der Mund bewegt) noch irgendwie natürlich agieren. Das ist eher ’90er Jahre Standard.

    Atmosphärisch ist das Spiel in jedem Fall gelungen, die Story erscheint mir auch in Ordnung, wenngleich mir einige Fragen (Wie groß ist diese Fischer-Insel eigentlich und was ist da alles drauf? Krankenhaus mit „Sanatorium“, etc.) offen bleiben.

    Wer das Spiel noch nicht hat, sollte vielleicht auf einen Steam Sale warten …

    1. Das Spiel ist leider eine Enttäuschung dahingehend, dass es wie du schon sagtest, nicht state-of-the-art ist. Es ist im Vergleich zu CoC: Dark Corners nicht maßgeblich besser und zwischen beiden Spielen liegen 12 Jahre. Klar, Story und Atmo sind gut, es gibt eine schöne Mechanik, die den Verlust der Stabi zeigt, aber persönlich reicht mir das auch nicht. Für 12 Stunden Spaß sollte man tatsächlich auf ein Angebot bei Steam warten. 20 € sind ok. Im Vergleich zu anderen Spielen zumindest.

      Da ich leider auch etwas von Fallout 76 wegen Abstürzen gefrustet bin, bleibt mir noch die Hoffnung auf Sinking City im März. Ist das auch ein Reinfall zock ich wieder FO4 und Cities: Skylines 😉

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