Cthulhus Ruf #5 – The Dark Side

Dies war ein besonders heißer Tag. Der Ventilator wirbelte den Zigarettenrauch durch das Zimmer, der sich dann als Staub, Schicht für Schicht, auf alles wie ein Leichentuch niederlegte. Nur auf dem Schreibtisch stapelten sich neue Zeitungsartikel, illegale Kopien von Polizeiakten und ungeöffnete Briefe mit Rechnungen schneller als der Dreck.

Ich kramte also in den alten Fällen rum, kuckte in den letzten Akten, die mir Johnny fuckin‘ Johns für einen wirklich guten Preis besorgt hatte, um irgendwie nen neuen Mandanten an Land zu ziehen, aber ich fand nichts. Das Geschäft lief mau. Ich entdeckte so einen braunen Umschlag und erinnerte mich. Vor ein paar Wochen brachte der Zeitungsjunge das Ding mit, sagte was von persönlich und wichtig. Bitte nicht knicken stand auf dem Umschlag… scheiße, waren da Nacktfotos von der Bergmann drin? Wäre echt nen dicker Hund. Ich malte mir grade aus, wie ich ihr Studio anrief und nen ordentliches Sümmchen für meine Diskretion verlangte, als ich nichts weiter als ne Zeitung ‚rauszog. Nicht ganz meine Erwartung, aber es war schon ok, wäre auch zu schön gewesen.

trennergo

Ich mag den Film Noir und die Hardboiled Schiene. Zwar kucke ich mir nicht die ganze Zeit alte Schwarz/Weiß Filme an, aber ab und an darfs gerne mal sein.  Der Ruf legt in seiner 5 Ausgabe nun den Schwerpunkt auf diesen Bereich. Die 50er sind mir persönlich und aus europäisch/deutscher Sicht eher etwas unspektakulär in Bezug auf den Mythos und im Quellenband von Atomic Age (Chaosium, 2012) heißt es in der Einleitung über die 50er dann auch:

…this was a good time for America in many ways. The economy and industry were roaring, the nation was filled with pride over a hard-won victory, the middle class exploded and it seemed like everyone could own their own home, car, or perhaps even one of those new amazing televisions.

Und eben das ist das Image, alles ist irgendwie gut. Ende der 50er und bis in die 60er findet man in Deutschland das Wirtschaftswunder vor. Gute Zeiten sind schlecht für den Mythos, oder?

Und daher braucht es einen Gegenentwurf. Die 50er sind nämlich bei genauerer Betrachtung reich an Anhaltspunkten für den Mythos. Mit dem Schwerpunkt Noir wird der Blick auf die Stadt der gefallenen Engel gerichtet.

Das Archivheft Nr. 5 Noir ist eine besondere Bereicherung der Gesamtausgabe. Was macht den Unterschied zwischen einem typischen Krimisetting und Noir? Beispiele um die richtige Stimmung zu erzeugen werden gegeben aber es wird zudem klar gemacht, dass die Ermittler auch Fehler haben sollten. Es ist die Gradwanderung zwischen Gut und Böse, der Zynismus und die inneren Konflikte, die einen Ermittler in Noir ausmachen. Ich halte es für äußerst spannend, wenn gleich es manchen Spieler am Anfang schwer fallen kann sich darauf einzulassen. Es kann helfen im Vorwege einige Filme als Gruppe oder für sich selbst als Vorbereitung zu schauen.

Die Flüstertüte geht dann auch gleich weiter darauf ein, dass die wahren Monster nicht immer Tentakel haben müssen. Die menschliche Seele ist so vielseitig und bringt die größten Wunder aber auch die abscheulichsten Gräueltaten hervor, dass es sich lohnt ein genaueren Blick auf die Motivation von NSCs zu legen.  Wirklich nett geschrieben.

John Carpenter, und ich bitte jetzt die Steine etwas zurückzuhalten, ist meiner Meinung nach kein guter Filmemacher. Sicher, er hat hin und wieder was abgeliefert, dass man sich anschauen kann, aber wirklich mitreißend war nichts davon. Geschmäcker sind verschieden und er hat eine große Fangemeinde somit mag ich ihn auch völlig falsch einordnen. Der Artikel von Markus Widmer betrachtet einige seiner Werke etwas genauer und findet Parallelen zum lovecraftschen Cthulhu Mythos. Solche Artikel bringen Farbe in in die Ausgabe, jenseits von Spieltisch und Würfelbeutel. Ein Blick auf Filme und ihre Macher halte ich immer für lohnens- und lesenswert, aber das ist auch nur mein persönlicher Geschmack.

Wirklich Klasse fand ich den Bericht über das System Hollywood. Gut recherchiert und gut geschrieben, werden immer mal wieder Punkte genannt, bei denen man mit seinem eigenen Abenteuer anknüpfen kann.

Wenn jemand eine Reise tut… das ist so ein Thema. Ich hab da auch mal etwas zu geschrieben im Rahmen des Karnevals der Rollenspielblogs. Meine Meinung hat sich diesbezüglich nicht geändert. Reisen sind, sofern sie nicht den Plot ausmachen, für mich als Erzähler und auch als Spieler zu vernachlässigen. Interessant fand ich allerdings den Abschnitt, der sich mit Reisen bei Lovecraft befasst. Eine Reise ist das Verlassen des Bekannten in das Unbekannte und die Furcht vor dem Unbekannten ist ja schließlich die älteste und tiefste Form der Angst. Wie man nun Reisen in seine Abenteuer einbaut, ist Geschmacksache. Ich für meinen Teil werde ihnen nur den nötigsten Raum geben.

Nyarlathotep ist so etwas wie das It-Girl der Äußeren Götter. In keiner Spielrunde darf er fehlen und überall hat er Fans. Das Leben eines Stars wirkt meist lebendig und farbenfroh, die Wahrheit ist aber leider viel zu grau und langweilig. Nyarlahothep, das Kriechende Chaos, lässt sich daher mal ordentlich seine 999 Näschen pudern und bekommt im Artikel: Ich, Nyarlahothep ein neues Image. Sehr intelligent wird noch einmal auf die Beschreibung seines Wesens eingegangen: Er ist das Bewusstsein vieler. Wenn man es wörtlich nimmt, ist er viele. Wir, Nyarlathotep. Als Kriechendes Chaos ergreift er dabei, einem Pilzgeflecht gleich, Besitz von den Menschen (oder: intelligenten Wesen), die dem Wahn, den Irrsinn oder den übelsten Trieben nachgeben. Er ist also tatsächlich überall, auch in den Ermittlern. Klasse! Es gibt dazu noch optionale Regeln und 12 Aspekte des Äußeren Gottes.

Abgerundet werden die Artikel mit den verlorenen Seiten aus dem Janus Band. Nicht alles hat es in den Quellenband zu der Janusgesellschaft geschafft, so bietet der Ruf die Möglichkeit dies nachzuliefern. Nett.

Auf die drei im Heft enthaltenen Abenteuer werde ich gesondert eingehen. Das Heft bietet mal wieder viel interessantes und es ist für viele etwas dabei, weswegen hier auch nur ein Anriss der ganzen Ausgabe erfolgen kann. Von der Aufmachung ganz zu schweigen, wieder einmal werden einen für 6 € übermäßige Qualität geboten. Beziehen kann man die Ausgabe, solange noch vorhanden!, auf der Seite des Rufs, die sich darüberhinaus auch lohnt, öfter angesurft zu werden.

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Tentakel Spiele
seanchui

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