De Profundis – Ein Briefrollenspiel

Ich wollte eigentlich schon ewig lange einen Beitrag zu De Profundis schreiben, aber irgendwie kam ich nie dazu. Da ich dieses Thema auf meiner ToDo-Liste bei der Cthulhu Wiki angegeben habe, neben vielen anderen Sachen, die ich immer mal schreiben wollte, aber nie dazu kam, nutze ich doch die Gelegenheit und arbeite mich an meiner eigenen Liste ab. In Fachkreisen nennt man so etwas wohl effektiv oder zielgerichtet.

De Profundis – Ein Briefrollenspiel

Erdacht wurde das Spiel von dem polnischen Designer Michal Oracz und erschien 2001 bei Hogshead Publishing in englischer Sprache. 2003 erschien die von Ralf Sandfuchs ins Deutsche übersetzte Ausgabe bei Krimsus KrimskramsKiste.

Die aktuelle 2. Edition wurde 2009 von Cubicle 7 Entertainment auf Englisch veröffentlicht.

Der original polnische Herausgeber für beide Editionen ist Wydawnictwo Portal.

Aufbau des Buches

Bei beiden Editionen ist die Art des Aufbaus identisch. Der Leser wird anhand von Briefen an die Regeln, oder besser an die Art zu spielen, herangeführt. Während in der 1. Edition Michal Oracz in den Briefen immer mehr den Bezug zur Realität verliert und somit eine Form eines möglichen Spielverlaufs aufzeigt, wird in der 2. Edition wesentlich stärker auf mögliche Inhalte eingegangen. Die 1. Edition ist daher etwas düsterer und atmosphärischer, während die 2. Edition informativer ist.

Inhalt und Art des Spiels

Ob es sich nun um ein klassisches Rollenspiel oder ein Psychodrama in Briefform handelt, hängt wohl von den Personen ab, die es spielen.  Es gibt hierbei kein Richtig oder Falsch, eben sowenig wie es niedergeschriebene Regeln gibt. Wie sich das Spiel oder der Briefwechsel entwickelt wird entweder durch einen von vornherein abgesteckten Rahmen der Beteiligten bestimmt oder man reagiert auf erhaltene Briefe wie es einem persönlich angemessen erscheint.

Grundsätzlich hat dieses Spiel einen Bezug zu Lovecrafts Werken und dem Pen&Paper Rollenspiel Call of Cthulhu. Somit ist der Wahnsinn und das Abdriften in geistige Umnachtung Thema der Korrespondenz. Während in einem Pen&Paper der Wahnsinn auch seinen Platz finden kann, geht es bei De Profundis um die Beschreibung des Seelenlebens des Spielers bzw. seines Charakters und zwar ohne Einfluss durch einen Spielleiter. Dies wäre eine Interpretation der 1. Edition.

Die 2. Edition erweitert dies um einige Aspekte des Pen&Papers. So sind hier Tabellen für Charakterwerte und Themen zum auswürfeln vorhanden. Der Einstieg auch Kampagnen zu spielen, die eher in den Bereich des klassischen Pen&Papers fallen, ist somit leichter.

Fiktiver Anlass für einen derartigen Briefwechsel können Verschwörungstheorien, gemeinsame Erfahrungen oder Träume sowie der Wunsch nach Offenlegung verstörender Wahrheiten a la Lovecraft sein.

Der Reiz des Spiels entsteht durch die scheinbare Authentizität des Geschriebenen. Insbesondere bei der äußeren Form gibt es zahlreiche Möglichkeiten: Von handschriftlich abgefassten Briefen bis zum Umschlag im Umschlag oder künstlich gealterten Briefpapier. Das Konzept ist auch auf elektronischen Datenaustausch übertragbar (Mail, Messenger Nachricht etc.).

De Profundis und Literatur

Das De Profundis einen Bezug zu Lovecraft und damit zur Literatur hat, rein inhaltlich, wird in den Büchern von Oracz klar. Der Briefwechsel weist aber auch Ähnlichkeiten zu den Briefromanen auf. Hier wird häufig Dracula¹ von Bram Stoker genannt.

Der Begriff De profundis stammt aus dem Psalm 130  der Einheitsübersetzung der Bibel bzw. Pslam 129 der Vulgata: „de profundis clamavi ad te Domine“ („aus der Tiefe rufe ich, HERR, zu dir.“)² und wird üblicherweise als Totengebet verwendet oder aber in Zeiten innerer Konflikte sowie äußerer Not. Beispielhaft ist hier De Profundis³ von Oscar Wilde zu nennen.

Quellen

Portal Games – De Profundis (poln.)
Wikipedia – De Profundis (dt.)
Wikipedia – De Profundis (engl.)
¹Bram Stoker – Dracula (Dieter Wunderlich, Rezension dt.)
²Bibel-Verse.de – Pslam 129
³Oscar Wilde – De Profundis (Wikipedia, dt.)
Oscar Wilde – De Profundis (Project Gutenberg, gekürzt, engl.)

 

 

2 Kommentare

    1. Hi, ja ich finde es auch sehr cool, habs über 2 Jahre gespielt, allerdings ohne Script oder Würfel, also als reines Psychodrama.

      Abenteuer zu spielen ist entweder in Verbindung mit einer P&P-Runde möglich, also der Spielleiter verschickt Briefe von NSCs oder Spieler dem Spielleiter, falls es zu lange Pausen zwischen den Runden geben sollte. Da sind die Möglichkeiten nur durch die Fantasie begrenzt. Das wäre dann in der Art, dass die Briefe wie Handouts zählen.

      Eigene Abenteuer oder Kampagnen in reiner Briefform zu spielen, ist aber auch möglich. Jeder der Spieler denkt sich ein Charakter aus und es sollte ein gemeinsames Thema geben, z. B. Träume, Veränderungen, ein bestimmter Ort etc. Und dann entwickelt sich daraus eine Korrespondenz. Das ist mitunter schwer, weil man nicht zu viel Details auf einmal schreiben sollte, der andere/die anderen Spieler haben ja auch Ideen wie etwas sein soll. Am Besten eigenen sich dann Themen wie Psychosen oder Träume und dergleichen.

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