Der Eine Ring und wie er mich verdarb

Fantasy war lange nicht meins. Ich rede jetzt von meiner Kindheit und Jugend. Was gab es da? Conan und Red Sonja, beide Filme waren die prominentesten Vertreter der Fantasy für mich. Und sehr, sehr schlecht. Was ein wenig in die Richtung ging waren Filme wie Die Fahrten des Odysseus oder Jason und die Argonauten etc., die den mythologischen Stoff sehr frei inszenierten. Und auch da war der Look sehr billig und alt. Wenn man das für alles hält, was Fantasy hervorbringt, fängt man gar nicht erst an, tiefer ins Genre ein- und abzutauchen. Ich hab damals viel gelesen. Meist Geistergeschichten… war so gelabelt 😉 . Irgendwann stieß ich auf Der kleine Hobbit. Das Buch war das Beste was ich bis dahin gelesen hatte und es gehörte zum Genre der Fantasy! Es dauerte dann allerdings noch etwas bis ich Herr der Ringe las.

Herr der Ringe war ein wenig so, wie das Wiedersehen mit alten Freunden. Es ging wieder vor die Tür, hinaus in die Welt. Zwar mit neuen Gesichtern, was ich anfangs schade fand, aber zumindest Gandalf war dabei. Das Ganze wirkte auf mich nicht märchenhaft, es fühlte sich authentisch an. So wie eine Sage. Eine Geschichte, die man sich schon ewig erzählte. Das kam nicht von ungefähr, davon wusste ich damals aber nichts. Tolkien bediente sich der nordischen und keltischen Mythologie, auch die vielen Lieder und Gedichte im Werk lehnen an altertümliche Texte wie der Edda an. Tolkien war Sprach- und Literaturwissenschaftler und arbeitete sein Leben lang an der Welt, die Mittelerde heißt.

Da von Tolkien nichts neues mehr zu erwarten war, ging ich an seine Quellen: Nordische Mythologie. Tolle Geschichten aber der Schreibstil ist eher mau.

Etwas später im Leben, kam ich mit einem Freund über Herr der Ringe und dergleichen ins Gespräch. Er empfahl mir Stephan Grundys Rheingold. Ich kannte es nicht. Das Buch war einige Jahre zuvor ein internationaler Erfolg und  wochenlang auf der Spiegel Bestsellerliste, wie Wikipedia sagt. Zeitlich muss die Empfehlung um die Jahrtausendwende gewesen sein. Kurz bevor ich zum Rollenspiel kam. Rheingold ist das Nibelungenlied in Romanform, kann man so sagen.

Für mich war Fantasy eine Geschichte von Gut und Böse, Freundschaft und Verrat aber in einer Welt in der Magie, Drachen und andere Wesen existierten. Die Qualität der Welt war mir sehr wichtig. Und ist es bis heute. Die erwähnten Motive wie Gut und Böse etc. sind durchaus häufiger in der Literatur zu finden, dennoch bin ich kein Fan dieser Geschichten im Steampunk oder Science Fiction. Mag ich eben nicht. Ich mag High Fantasy!

Als ich mit Pen&Paper anfing, hatte ich vom Hobby eine andere Vorstellung. Vielleicht hat man mir das Ganze auch anders erklärt. Ich weiß nur, dass es weniger Auenland war als erwartet. Wir spielten in den Vergessenen Reichen. Baldurs Tor oder Zehnstädte kannte ich aus den D&D PC Spielen, auch wenn unsere Abenteuer weniger an der Küste spielten, das Erwähnen dieser Orte war schon cool. Man kannte sie und spielte in einer Welt in der auch Halaster und Elminster wandelten. Es war eine stimmige Welt und ich entdeckte R. A. Salvatores Reihe über Drizzt Do’Urden, eine weitere Kultfigur.

Nun ist Pen&Paper aber nicht das Abfeiern einer Kampagnenwelt.
Für mich bestand es damals aus selbst gebastelten Abenteuern, Einkaufstouren beim örtlichen Rüstungsschmied und Kämpfen. Würfelorgien de luxe. Das war ok für mich, ich kannte nichts anderes. In der Runde begannen wir irgendwann den Spielleiter hin und wieder durch einen anderen Spieler zu ersetzen. Der Spielleiter wollte auch mal Spieler sein. Bei diesem Experiment merkte ich, und auch die anderen, wie gut man die Geschichte eines Abenteuers verkaufen kann. Wir hatten bei anderen DMs die üblichen Begegnungen und Schaufensterbummel aber eingebetet in einer stimmigen Geschichte. Jeder kann Spielleiter sein, klar, aber nicht jeder Spielleiter ist im gleichem Maße ambitioniert.

In letzter Zeit habe ich mich immer mehr von Fantasy Settings gelöst. Und das gilt auch für das Lesen von Fantasy Romanen. Ich kann keinen bestimmten Grund dafür nennen. Es reizt mich einfach nicht mehr so. Der letzte Abend meiner Pathfinder Runde ist etwas her und es war tatsächlich der letzte Abend für mich. Jedes Abenteuer geht mal zu ende. Aber ich muss jetzt den Ruf des Cthulhu folgen…

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