FSK-Prüfung und Buchpreisbindung für PDF’s?!

Zwei interessante Themen prallen hier, zumindest für mich, aufeinander: Bücher und PDF’s (hier Rollenspielbücher im .pdf-Format). Eine schöne Zusammenfassung der aktuellen Diskussion und der Planungen findet man auf Mondbuchstaben oder direkt beim Börsenverein des Buchhandels hier bzw. hier.

Ich bin im Laufe der Zeit zu einem immer größeren Freund von PDF Regelwerken geworden. Und natürlich ist so eine Meldung immer erst einmal verwirrend, denn welche Konsequenzen ergeben sich daraus? Kann ich meine Regelwerke irgendwann nur noch mit Altersnachweis beziehen oder muss vielleicht mehr für eine Datei als für das Printprodukt bezahlen? Gehen wir mal Schritt für Schritt alles durch. Zum einen gelten elektronische Publikationen nicht als Buch, sie gelten als Telemedien. Das bedeutet: Es gilt der volle Mehrwertsteuersatz und eine FSK-Prüfung ist wie bei Computerspielen oder Filmen Pflicht. Ok, das ist ja absolut kein Grund jetzt in Panik zu verfallen, denn kaum ein Regelwerk oder Quellenband wird explizite Gewalt- oder Pornographiedarstellungen haben, die eine FSK 16 oder gar 18 rechtfertigen, daher ist der Bezug auch ohne Altersnachweis möglich. Bisher bezahlen wir für PDF’s auch den vollen Mehrwertsteuersatz also ist dies keine Änderung.

Der nächste Punkt ist dann schon etwas anderes: Die Buchpreisbindung. Ich bin ein Befürworter der Buchpreisbindung, aus verschiedenen Gründen. Bei PDF’s hingegen nicht. Es deckt sich ja auch mit der Annahme des Gesetzgebers, dass es sich bei elektronischen Publikationen eben um Telemedien und nicht um Bücher handelt. Gut, dies ist vielleicht Haarspalterei, mir geht es bei der Buchpreisbindung in erster Linie um die Qualität der Bücher und die Vertriebswege, ist aber ein anderes Thema. Eine Preisbindung für PDF’s läuft dem eigentlichen Gedanken dieses Markteingriffes des Gesetzgebers zu wider. Die Inhalte einer Datei mögen völlig identisch mit dem eines Buches sein, das Buch ist aber ein Kulturgut, welches eine besondere Stellung hat, in erster Linie soll es möglichst flächendeckend und für alle Bürger zum gleichen Preis erhältlich sein. Und nun schauen wir uns Dateien an: Es gibt sie im Internet! Somit ist eine flächendeckende Versorgung vorhanden und sollten sie zu teuer angeboten werden, gibt es noch das Printprodukt. Sollten sie wesentlich günstiger als das Printprodukt angeboten werden, gereicht es ja nur der Allgemeinheit zum Vorteil, die Qualität sinkt nämlich nicht. Und um es zu verdeutlichen, was ich mit Qualität von Büchern meine, der sollte sich mal einige Bücher aus England ansehen, Klopapier hat mitunter eine bessere Qualität (natürlich nicht alle, es gibt dort drüben aber einige Verlage, die wie Reclam Werke der Literatur herausbringen, nur sind die Dinger wirklich mies in der Bindung und vom Papier).

Warum jetzt aber nicht über ein entweder/oder sondern über ein sowohl/als auch geredet wird, zeigt eigentlich nur, wie konfus die Entscheidungsträger sind, denn Telemedien und Mehrwertsteuer passen absolut nicht zur Buchpreisbindung. Letztendlich bedeutet dies eine eventuelle Preissteigerung bei den Dateien oder die Verlage vertreiben die PDF’S über einen Händler wie DriveThru und lassen einen Briefkasten in Luxemburg registrieren, wie Amazon.

2 Kommentare

  1. Hallo.

    Ich bin gerade über den Blog-Kommentier-Tag hier rein gerutscht.
    Was den Preis einer Datei gegenüber dem Buch angeht, bin ich anderer Meinung. Auch wenn ein höherer Mehrwertsteuersatz fällig wird, kann ich schon heute bei e-Books nicht ganz nachvollziehen. Es wird keine Druckerei gebraucht, kein Material. Es fallen also keine Lohn- und Lohnnebenkosten an, nichts für Papier und Co. Es gibt keine Vertriebswege, also keine Kosten für Speditionen, Sprit, Maut. Keine Pacht, Strom, Wasser in unzähligen Buchläden. Das e-Book wird einmal vom Verlag zur Verfügung gestellt und kann dann vom Online-Buchhändler unzählige Male kopiert und vertrieben werden. Deswegen sollte es eigentlich günstiger als das Printmedium verkauft werden können, was aber selbst heute teilweise schon nicht gemacht wird.

    1. Hallo und danke für den Kommentar. Ich habe mich, als ich anfing PDF Dateien statt der Printausgaben zu kaufen, auch gefragt, wie die Preise dort überhaupt zustande kommen, da ja die von dir erwähnten Punkte zutreffen. Ich spreche in erster Linie über Rollenspielprodukte, die dürften aber auch mit Belletristikangeboten vergleichbar sein. Ein Verlag, Ulisses, hat sich dazu mal geäußert. Derzeit sind die Dateien vom Preis auch noch unter dem der Printausgaben, dass sie aber trotzdem noch einen mehr oder minder hohen Verkaufspreis haben, liegt nicht nur an den vielleicht höheren Gewinnmargen, sondern daran, dass die Autoren eine höhere Beteiligung an den verkauften Exemplaren bekommen als bei den gedruckten Werken. Die Frage ist jetzt, ob die Datei bei der Buchpreisbindung grundsätzlich teurer wird. Nach meinem Kenntnisstand haben Dateien und Bücher zwar eine unterschiedliche ISBN, allerdings wären bei einer Preisbindung keine Rabatte in Folge einer Sonderaktion mehr möglich.

      Das Video vom Ulisses Verlag: https://www.youtube.com/watch?v=4WCii7owOMo ab ca. Min. 6:40 wird auf die Kosten eingegangen.

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