RPG goes TV

storiesandcharacters hat eine wirklich fabelhafte Artikelreihe über Rollenspiele in möglichen Fernsehformaten veröffentlicht (Teil 1, Teil 2 und Teil 3). Grund genug meine DVD-Sammlung nach Perlen zu diesem Thema zu durchforsten und die wohl bekannteren Filme vorzustellen.

Labyrinth der Monster (Mazes and Monsters, USA 1982)
Wahrscheinlich der erste Film über Rollenspieler. Der Protagonist des Films, Robbie Wheeling gespielt von Tom Hanks in seiner dritten Rolle, hat Probleme mit seinen Eltern und musste wegen nicht näher bezeichneten Schwierigkeiten sein altes College wechseln. Die Eltern machen hierfür das übermäßige spielen des Pen&Paper Mazes and Monsters verantwortlich. Am neuen College will sich Robbie vom Spiel fernhalten, trifft aber auf Jay Jay, Daniel und Kate, die ihn überreden die Würfel erneut in die Hand zu nehmen. Das Unglück nimmt seinen Lauf und Robbie verliert immer mehr den Bezug zur Realität, was fast in seinem Freitod mündet. Auch die anderen Mitglieder der Runde haben Probleme. Kate ist ein Scheidungskind, Daniels Eltern verbieten ihm seinen Traum ein Videospielentwickler zu werden und Jay Jay hat eine exzentrische Alkoholikerin zur Mutter, die ihn fast in den Selbstmord treibt.

Warum dieser Film Kult ist und zumindest für mich zu meinen Lieblingen zählt, ist sicher nicht die hervorragende Qualität und die besonders gute Darstellung des Rollenspiels, sondern weil er ein Stück Zeitgeschichte einfängt. Anfang der 80er und auch bis in die 90er hinein galt Rollenspiel bei vielen Menschen als jugendgefährdend. Die Flucht in Fantasiewelten wurde gleichgesetzt mit Drogenmissbrauch oder sogar als satanische Rituale bezeichnet. Bei vielen Jugendlichen die in der Zeit den Suizid verübten, wurden Exemplare der D&D Regelwerke gefunden was zu einer merkwürdigen Analogie führte. Insbesondere der Selbstmord von James Dallas Egbert III. und Irving Pulling waren Wasser auf den Mühlen der Rollenspielgegner. Die Mutter von Irving, Patricia Pulling, gründete die Vereinigung Bothered About Dungeons and Dragons (BADD) und sammelte unhaltbare Beweise dafür, dass D&D eine Ausgeburt des Teufels sei.

Mazes and Monsters ist angelehnt an den Titel Dugeons & Dragons. Der Film basiert auf den Roman von Rona Jaffe, die in ihrem Buch etwas differenzierter auf das Thema eingeht und durchaus das soziale Umfeld für die hohe Rate an Jugendselbstmorden verantwortlich macht.

Astrópía (Island 2007)
Hildurs Freund Jolli muss wegen Steuerhinterziehung  in den Knast. Jetzt muss sie erst einmal alleine klar kommen und Geld verdienen. Sie findet einen Job in den Comic- und Rollenspielladen Astrópía. Um über die Produkte die sie verkaufen soll mehr zu erfahren, lädt sie der Ladenbesitzer zu seiner D&D Runde ein. Alles verkompliziert sich, als Jolli aus dem Gefängnis ausbricht und sie sich in einen Rollenspielkollegen verliebt.

Skandinavische Filme gehören zu meinen Favoriten und dieser Film ist da keine Ausnahme. Er ist witzig, kurzweilig und hat tatsächlich viel Wissen über die Materie. Gedreht wurde im einzigen Comic- und Rollenspielladen Islands und das Drehbuch stammt von einem langjährigen Mitarbeiter aus eben diesem Laden. Die Story ist eigentlich simpel aber nett und lustig umgesetzt. Bei der DVD Ausgabe liegt sogar ein Regelheft für ein Rollenspiel bei und auf der DVD selbst gibt es eine Einführung in die Welt des Pen&Paper.

Wild Hunt – Spiel um dein Leben (Kanada 2009)
Erik lebt in Montreal, pflegt seinen alkoholkranken Vater und verliert seine Freundin an einen Schamanen aus einem LARP-Spiel. Sein Bruder Björn, der anscheinend ständig beim LARP rumhängt, hat Eriks Freundin dazu gebracht sich den Rollenspielern anzuschließen. Erik reist seiner großen Liebe hinterher, doch um überhaupt nur mit ihr sprechen zu können, muss er sich den Regeln des Spiels unterwerfen.

Der Film spielt mit dem Klischee, welches besagt, dass LARPer einen gehörigen Realitätsverlust erleiden. Kommt man selber aus der Ecke nimmt man es mit Humor, trotzdem hat der Film einen gravierenden Nachteil. Er geht weniger auf die Personen und deren Hintergründe ein und lässt so dass Rollenspiel als Ursache für das Massaker am Ende dastehen. Filmisch muss man eine gewisse Dramaturgie aufbauen, Vorurteile zu reiten und wenig Substanz machen den Film aber auch nicht besser. Nett aber filmisch und inhaltlich nicht ausgereift.

The Gamers I, II & III (USA 2002/2008/2013)
The Gamers ist eine Low-Budget Karikatur von Pen&Paper Spielen. Der erste Teil ist, mit knapp 50 Minuten und dem Aussehen wie mit einer Handycam gedreht, mehr Kult als alles andere. Begleitet wird eine Runde Rollenspieler auf ihrem Abenteuer. Dabei typische Situationen und Regeldiskussionen dürften jedem aus der eigenen Runde bekannt sein.

Der zweite Teil ist keine direkte Fortsetzung und trägt den Titel Dorkness Rising. Hier werden Sandboxing vs. Railroading, Spieler, die für ihren Char das andere Geschlecht wählen und Powergamer sowie die leidige Rolle des ständig sterbenden Barden witzig thematisiert. Der Film hat Spielfilmlänge und ist nicht mehr ganz so Low-Budget. Das in dem Film gespielte Abenteuer, Mask of Death, ist als Kaufabenteuer bei Paizo erhältlich.

Der dritte Teil, Hands of Fate, ist eine direkte Fortsetzung. Die Spieler haben allerdings den Wechsel von D&D 3.5 zu Pathfinder vollzogen und einer der Spieler wendet sich den Sammelkartenspiel zu. Die anderen Mitglieder der Runde sind älter geworden und haben immer weniger Zeit fürs Spielen.

The Guild (USA 2007-2013)
Die preisgekrönte youtube Sitcom rund um Felicia Day zeigt das Leben einer Gruppe von Online-Rollenspielern die sich in der Gilde Knights of Good organisiert haben.  Die einzelnen Episoden sind zwar kurz, gibt es aber auch als komplette Staffel auf youtube. Witzig, manchmal etwas sehr übertrieben, kann man sich die 6 Staffeln doch mal antun.

Noch nicht gesehen: Die beiden deutschen Dokus über LARP Wochenendkrieger und Die Herren der Spiele.

Ich hoffe, dass der eine oder andere einen Filmtipp bekommen hat und ich bin natürlich auch erfreut über Hinweise auf Filme die hier noch nicht erwähnt wurden.

2 Kommentare

    1. Danke für den Tipp 😉 Hab ihn aber leider nicht bei den einschlägigen Online-Versandhäusern gefunden. Kucke morgen noch einmal… 😉
      Nachtrag:
      Erscheint im August/September in Deutschland, der Trailer sah nicht schlecht aus 😉

Hinterlasse einen Kommentar.

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Scroll Up
%d Bloggern gefällt das: