Spieler und ihre Charaktere – Tod

Gestern wäre es fast soweit gewesen, mein Charakter wäre beinahe gestorben. Nicht mit Stufe 18 oder gar erst 10, sondern in der 2 Stufe. Macht das aber einen Unterschied? Und wie immer gibt es dort keine eindeutige Antwort, denn es hängt vom Spiel ab.

Die Erschaffung eines Charakters besteht vielfach aus zwei Teilen: Der rein technische Teil, bei dem man Werte würfelt und die Startausrüstung festlegt sowie den Teil, bei dem man die Hintergrundgeschichte und/oder persönliche Merkmale ausarbeitet. Letzteres ist von Spieler zu Spieler mit mehr oder weniger Aufwand verbunden. Ich schreibe zu fast jeden Charakter ungefähr eine Seite Hintergrund, in unserer Runde ist es üblich eine Kopie davon dem Spielleiter zu geben. Besonders gut herausgearbeitete Geschichten können dann auch mit Boni belohnt werden. Es geht aber nicht nur um spielentscheidende Vorteile, sondern auch um Gimmicks wie ein Nimmerleerer Bierschlauch oder ein Haustier, welches vielleicht bestimmte Wissenswürfe erleichtert. Dies kann zu einer engen Bindung zum Charakter führen, einfach weil es etwas Besonderes ist. Ähnliches wird von Pathfinder über die Wesenszüge abgehandelt, diese Mechanik gab es aber schon früher und ist in jedem System denkbar.

Klar scheint es besser zu sein, wenn Charaktere lieber früh als spät sterben. Einfach weil die Werte noch nicht so hoch sind, man noch nicht viele Ausrüstungsgegenstände gesammelt hat und, seien wir ehrlich, der Aufwand bzw. sich die Kosten für eine Wiederbelebung nicht lohnen oder man sie schlicht nicht bezahlen kann. Je weiter man aufsteigt sieht es anders aus. Ob es nun an der Entwicklung seines Charakters liegt oder an den coolen Werten hängt von den Spieler ab, aber einen Helden der Stufe 15 sterben zu sehen, kann bitter sein.

Der Tod gehört zum Spiel. Auch wenn es natürlich mehr als Schade ist, wenn ein Charakter stirbt, es gehört nun einmal dazu. In den Systemen die ich kenne, ist es ohnehin auch gar nicht mehr so leicht zu sterben. Auch in meinem Fall wäre mein Held auf Stufe 2 nicht einfach tot umgefallen. Sollte es aber trotzdem dazu kommen, dann ist es so. Ich halte nichts davon, Charaktere in Watte zu packen und den Tod als Tabu zu behandeln, als Spieler und als DM stehe ich zu dieser Aussage. Ausnahmen bestätigen auch hier die Regel. Spieler die zum allerersten Mal einen Charakter in die Welt hinaus schicken genießen einen Welpenschutz, meines Erachtens. Auch hier gibt es andere Meinungen, aber man sollte bedenken, welche Mühe man sich selbst bei der Ausarbeitung seines ersten Charakters gemacht hat und welche Spannung man bei den ersten Begegnungen erlebt hat.

Zudem gehört ein gewisses Risiko dazu, um überhaupt Spannung aufzubauen und auch um seinen Charakter kennen zulernen. Was kann der Charakter eigentlich, worin ist er gut und worin nicht? Auch dies führt zu einer Bindung, die manchmal darin ausartet, dass man nur noch eine Klasse spielt, weil man sie am besten beherrscht oder sie einem am meisten Spaß macht.

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