The Purge – Dystopisches Horrorszenario in Serie

Purge englisch für Reinigung, to purge (purgen) reinigen. Die Purge ist seit 2022 eine jährlich stattfindende, 12 Stunden umfassende Zeitspanne, in der jegliches Verbrechen, einschließlich Mord, erlaubt ist. Die Purge findet vom 21. März 19.00 Uhr bis 22. März 7.00 Uhr statt. In dieser Zeit sind Polizei, Feuerwehr und Rettungskräfte nicht erreichbar.

Hintergrund zur Purge

The Purge ist eine Filmreihe, die 2013 startete. Inhaltlich geht es dabei um einen Verfassungszusatz, welcher es jedem US-Bürger in einer Nacht im Jahr gestattet, legal Verbrechen zu verüben. Vereinfacht gesagt.
Gezeigt werden die Auswüchse dieses Rechtes: Maskierte Gewalttäter, die mordend und plündernd durch das nächtliche Amerika ziehen. Dabei sind die Verbrechen äußerst brutal und grausam.
Warum sollte man überhaupt auf die Idee zu einem solchen Grundrecht kommen? Hier fängt das zarte Pflänzchen mit Namen Gesellschaftskritik an zu keimen.

Die USA sind eine Nation, die durch das Recht des Stärkeren groß wurde. Das ist die These der regierenden New Founding Fathers of Amerika (NFFA) die den Purge eingeführt haben. Und diese These ist durchaus plausibel. Vom Wilden Westen bis zu den Auswirkungen des Turbokapitalismus: Derjenige mit dem Colt oder dem Geld sagt, wo es lang geht. Ob es tatsächlich so war oder ist, spielt keine Rolle, solange die Menschen es glauben.
Die NFFA gestattet mit dem 28. Verfassungszusatz nun jedem Bürger das Faustrecht. Was nichts anderes bedeutet, als dass der ausgebeutete Angestellte oder die belästigte Angestellte sich gnadenlos an dem Boss rächen kann. Es wird ein Ausgleich der Kräfte hergestellt. In der Theorie zumindest.

Bedenkt man in welcher Welt, Zeit und Gesellschaft so ein Verhalten dieser legalisierten Gewalt akzeptiert ist, kommt man zu dem Schluss, dass da grundsätzlich etwas nicht stimmen kann. Das Misstrauen gegenüber seinem nächsten Mitbürger ist hoch, soziale Isolation geht einher mit Verrohung und Kompromisslosigkeit, die Angst vor wirtschaftlichem Abstieg führt zu Machtphantasien. Eine gefährliche Mischung.

Auch Sekten bilden sich, deren Mitglieder sich purgen lassen, um Seelenfrieden zu finden.

Studien die im Auftrag der NFFA durchgeführt wurden, erwiesen, dass das Ausleben von Gewaltfantasien zu psychisch stabileren Menschen führe und somit auch zu einer friedfertigeren Gesellschaft in Gänze was zu einer Senkung der Verbrechensrate beitrüge. Die Purge sei Katalysator, sie reinige den Menschen von seinen negativen Gefühlen, die sich im Laufe des Jahres angesammelt hätten.
Auch hier gilt, es spielt keine Rolle, ob es tatsächlich wissenschaftlich erarbeitet wurde. Es klingt plausibel und wenn es in das aktuelle Weltbild passt, übernehmen die Menschen gerne die Forschungsergebnisse. Dabei ist die Purge zentraler Punkt. Erst durch deren Einführung beginnt die Teufelsspirale, sie nährt die Paranoia, sie lässt das Gefühl wachsen, präventiv Gewalt anwenden oder Rache für die Taten der vorangegangenen Purge üben zu müssen.

Staten Island, NY, wird 2022 Schauplatz des ersten sozialen Experiments. Bewohner, die auf der Insel bleiben bekommen finanzielle Prämien, welche höher ausfallen, wenn sie aktiv purgen. Gewalttäter werden angeregt ihre Fantasien auszuleben. Doch das Experiment scheint zu scheitern. Anstatt zu purgen, werden überall im Viertel spontane Partys veranstaltet. Die NFFA will aber unbedingt einen Erfolg, d.h. Gewaltexzesse. Es werden also maskierte Söldner auf die Straßen geschickt, um für eine Eskalation zu sorgen. Das perfide: Egal ob man Täter oder Opfer ist, ob man angreift oder sich verteidigt, man spielt den neuen Gründervätern in die Hände.
Medial ist die erste Purge zum Erfolg geworden.

Das gemeinsame purgen in den Villen der Gründerväter.

Die eigentlichen Gründe warum der erste Purge erfolg haben musste, sind aber vielleicht andere als der soziale Frieden und die Kriminalitätsrate. Das hätte man auch friedlich erreichen können.
Die Founding Fathers kamen 2014 nach einer erheblichen Finanzkrise in die Ämter des Staates. Sie versprachen sinkende Arbeitslosenzahlen und sinkende Kriminalität. Ihre politische Ausrichtung war sehr konservativ, nationalistisch mit religiösen, fast kultischen Zügen. Die Überlegung die 2022 zur ersten Purge führte, war die, dass das Dezimieren der Unterschicht beide politischen Ziele erreicht. Darüberhinaus konnte man jeden Kritiker ganz legal mundtot machen ohne sich die Hände schmutzig machen zu müssen. Die sozial Schwachen zählen ohnehin nicht zu den Wählern der neuen Regierung. Diese Menschen werden hauptsächlich Opfer der Purge, gleichzeitig suggeriert man ihnen, das sie die Möglichkeit hätten, etwas zu ändern -in nur einer Nacht.

Die NFFA etablieren schnell ein System, welches Parteimitgliedschaft belohnt. Die Demokratie weicht immer mehr einer Plutokratie. Dabei gibt es eine gemeinsame Ideologie und starke örtliche Gruppen. Durch das gemeinsame purgen, also dem rituellen Mord, in ihren sicheren Häusern, wächst eine feste und kultische Gemeinschaft. Sekten gründen sich, deren Mitglieder sich bereitwillig purgen lassen. Purge und purgen sind synonym für Gewalt und Mord geworden. Und sie sind positiv besetzt.

Erst mit der Präsidentschaftswahl 2040 kam eine Präsidentin ins Amt, die zur ersten Amtshandlung die Abschaffung der Purge machte.

Film und Serie

Liest man das alles, erkennt man viele gesellschaftskritische Punkte. Dabei wird aber auch ein überspitztes Bild gezeichnet. Natürlich. Eine Dystopie soll Angst machen und vor Fehlentwicklungen warnen. Ich musste beim Schreiben immer wieder an Robert W. Chambers erste Kurzgeschichte aus dem Buch Der König in Gelb denken. In Der Wiederhersteller des guten Rufes prosperiert Amerika in den 20ern. Es hat sich eine elitäre Führungsriege gebildet und die Immigration ist beinahe auf null gesunken. Anstatt das Verbrechen wie beim Purge zu legalisieren, ist im Amerika der 20er der Selbstmord gesellschaftsfähig. Und an fast jeder Ecke im Land stehen Suizidkabinen, die auch rege genutzt werden.

Dabei will die Filmreihe, wie auch die Serie, mehr als reine Kritik sein. Sie wird nicht zu Unrecht mit dem Label Horror versehen. Doch schafft die Serie es gruselig zu sein? Dieser Aspekt ist sicher offensichtlicher, aber trotzdem schwach.

Die Serie fängt gut an. Da ist die belästigte Angestellte, das junge Ehepaar, welches zwischen Idealismus und Gründerväter wählen muss, das aus einer Suchtklinik entlassene Sektenopfer und der Soldat, der jemanden sucht. Die Stories sind gut angelegt und für 10 Episoden sollte reichlich Stoff vorhanden sein. Das Manko ist, dass die Charaktere blass bleiben. Mitunter fangen sie auch an zu nerven. Wer nachdem er beinahe ermordet wurde, trotzdem alleine und unbewaffnet durch eine nach Blut lechzende Stadt zieht, hat leider neben jeglichen Selbsterhaltungstrieb auch alle Latten am Zaun verloren. Mir ist bewusst, dass Logik manchmal der Dramaturgie im Wege steht, aber hier fand ich es extrem misslungen.

Aber wie sieht es denn sonst aus? Wer das Franchise nicht kennt, kommt kaum auf die Hintergründe der Purge. Die Darstellung der Gewalt ist mittlerweile typisch für das Abendprogramm, überdies ist reine Gewalt kein Merkmal für Horror. Die Szenen, die die Filme etwas spannender gemacht haben, nämlich die, in welche versucht wird, in das eigene Heim einzudringen, sind in der Serie dünn gesät und lassen dem Zuschauer eh keine Gänsehaut entwickeln. Die Serie ist sehr flach, aber erfolgreich. Eine zweite Staffel ist gerade beschlossen, wie auch ein fünfter und letzter Teil der Filmreihe. Es klingt vielleicht seltsam, aber ich bin ein Fan der Geschichte, obwohl mich keiner der Filme und auch nicht die Serie überzeugen konnte. Eine Nacht unkontrollierten Wahnsinns hat soviel Potenzial um Horror und Angst zu verbreiten. Leider bleibt es bei der Serie ungenutzt.

 

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